Freitag, 29. Oktober 2010

Franz auf den sieben Weltmeeren

(und hier gehts zum Streit um große klassiker für kleine hörer, bzw. große klassik für kleine hörer)
Malacca Straße

Diese Reise ist meine Motivation zu schreiben sehr gering. Dabei habe ich genug
Zeit und langweilig war es die letzten Wochen auch nicht. Wie auch immer.
Bei meiner letzten Mail waren wir kurz hinter Suez und sind in die andere
Richtung gefahren. Seit dem haben wir das Piratengebiet erfolgreich passiert und
haben zig Häfen in Asien abgeklappert, so dass mich jetzt nur noch drei Wochen
von der Heimat trennen.
Aber immer der Reihe nach.
Die Passage durch den Golf von Aden und den indischen Ozean mit dem
Sicherheitsteam war unspektakulär. Unsere Sicherheitsmaßnahmen waren etwas laxer
als bei der vergangenen Durchfahrt. So war es immer noch Möglich sich draußen
aufzuhalten, was angesichts des sonnigen, warmen Wetters ja angenehmer ist als
nur drinnen zu hocken und sich die Sonne durch die schweren Fenster anzusehen.
Auf jeden Fall sahen unsere Söldner dieses mal mehr aus wie Soldaten. Alles sehr
große, breite und grimmige Kerle. Davor hatten wir ja eine älteren, der immer
mit rosa Badehose rumgelaufen ist, zwei Sunny Boys und einen freundlichen
älteren dicken. Aber auch dieses mal habe ich nicht viel von denen mitbekommen.
In Sri Lanka haben wir sie wieder abgegeben. Das ist ja für uns schon immer ein
kleiner Umweg von ca. 100 Seemeilen, der im Fahrplan nicht berücksichtigt wird,
so kriegen wir durch das abholen und abgeben des Teams immer Verspätung rein.
kurz darauf nämlich am 30. September sind wir das erste mal in Singapur
angekommen. Wir waren Nachmittags dort und haben die Zeit genutzt um wieder
etwas an der Hauptmaschine azu arbeiten.
Auf der Überfahrt ist eine Halterung des Abgaskanals durchgebrochen, die wir mit
Seilen und Kettenzügen stabilisiert hatten. Das wurde geschweißt. Dann haben wir
noch einiges an Ausrüstung und Proviant erhalten. Danach gab es hier und dort
noch eine Kleinigkeit zu tun. Am Abend bin ich aber an Land gegangen. Mit den
ganzen Philipinos bin ich zu einem Einkaufszentrum gefahren. Das war nicht weit
weg und dort konnte man auch etwas essen und trinken. Wir waren erst spät wieder
an Bord. Zu meinem Leitwesen musste ich dann in der Nacht auch noch zum
Auslaufen aufstehen.
Der nächste Tag war etwas schwierig aber da ich mir hier die Arbeit selber
einteile konnte ich mir was entspanntes suchen wo ich mich wieder regenerieren
konnte.
Von Singapur ging es in großen Schritten nach Hong Kong und Yantian. Dort haben
wir nur gearbeitet beziehungsweise, die Liegezeiten waren so ungünstig, dass es
keine Möglichkeit zum Landgang gab.
Es folgte die Überfahrt nach Japan. Im Gegensatz zu letzten Aufenthalt dort war
das Klima nun angenehm und nicht mehr so drückend schwül. In Kobe sind wir
Samstagabend angekommen. Hier hat sich nach dem Abendessen eine kleine Karawane
auf den Weg zum Sheraton Hotel gemacht. Ausgerüstet mit Laptops, Getränken und
Knabbereien haben wir uns dort in die Lobby gesetzt und das kostenlose W-Lan
Netz genutzt. Günstiger als mit Skype kann man ja nun wirklich nicht
telefonieren. So verging der Abend sehr schnell. ich hätte ja erwartet, dass wir
rausfliegen, da es offensichtlich war dass wir nicht dort wohnen. Wir sind es
jedenfalls nicht. Ich konnte mir an der Rezeption sogar noch einen Stromadapter
leihen.
Den halben Sonntag lagen wir noch dort aber ein weiteres mal habe ich das Schiff
nicht verlassen. In Nagoya einen Tag später wurde arbeitsmäßig wieder
durchgezogen. Unser leitender Ingenieur ist noch sehr jung und möchte sich
natürlich profilieren. Von daher hatten wir während der gesamten Küstenreise ein
straffes Programm gehabt. Wenig große Arbeiten aber unzählige kleine. In Nagoya
habe ich zum Beispiel die Fundament bolzen der Hauptmaschine nachgezogen. Hier
werden ja die Bolzen mit Hilfe einer Hydraulik die 2200 Bar Druck aufbaut
gestreckt, sodass man die Mutter per Hand anziehen und lösen kann. Das muss halt
alle paar tausend Stunden überprüft werden, da es durch die Vibrationen immer
sein kann, dass sich eine Mutter loswackelt.
Das ist auch keine schwierige Arbeit dauert aber Aufgrund der hohen Zahl an
Bolzen sehr lange.
In Shimizu gab es aber wieder die Möglichkeit an Land zu gehen. Abends nach der
Arbeit bin ich mit zwei anderen in der Dunkelheit los. Gegenüber vom Hafen gibt
es einen alten Tempel mit Zen Garten und angeschlossenem Friedhof. Alles sehr
idyllisch. Obwohl alle fünf Minuten eine hupende Bahn vorbei gefahren ist. Aber
egal es war ein schöner. Es gab da einige abgefahrene Sachen, die bei Tag
wahrscheinlich unspektakulär sind. Aber hinter dem Tempel ging es einen Berg
hoch. Da waren plötzlich hunderte kleiner Statuen die einen anstarrten. Das war
gruselig.
Leider habe ich hier irgendwo meine Geldbörse verloren. Der trauere ich immer
noch nach. mehr als sieben Jahre hat sie mich jetzt begleitet und ausgerechnet
in diesem Kaff verliere ich sie. Schlimm!
Gemerkt habe ich das erst als ich in Tokyo los wollte.
Ein Freund aus Berlin verbringt dort gerade ein Jahr und den wollte ich
unbedingt treffen. Vom Hafen aus ist es bestimmt eine halbe Stunde um per Fuß
die nächste U-Bahn Station zu erreichen. Ich war mit meinem 1. Offizier
unterwegs. Ich hatte ja kein Geld mehr. Wir haben etwas Zeit gebraucht um uns
auf dem Bahn Fahrplan zurecht zu finden. Aber dann ging es los. Wir mussten nur
einmal umsteigen. Die erste Bahn war noch normal gefüllt. Aber in der zweiten
Bahn wurde es dann eng. Diese Stopfer habe ich nicht gesehen aber die Leute an
der Tür mussten sich mit aller Kraft in die Bahn zwängen um nicht von den Türen
erdrückt zu werden. Es war so, dass man sich in der Bahn nicht mehr festhalten
musste weil es gar keine Möglichkeit zum fallen gab. Das ein uns Austeigen war
auch ein gehöriges Gedrängel. Aber das muss man den Japanern lassen. Sie stellen
sich am Bahnsteig an. Und zwar brav neben der Tür. Hier warten sie bis alle
ausgestiegen sind bevor sie in den Zug strömen. Nicht wie bei uns wo die
Einsteiger reindrängeln bevor die Aussteiger Den Zug verlassen haben.
Mit meinem Freund haben wir uns dann in der Stadt getroffen. Viel Zeit hatten
wir leider nicht aber es hat gereicht um einmal ums Karre zu schlendern und
etwas zu essen. Die Japaner sind schon eins sehr seltsames Volk. Man kennt doch
diese Greifer Automaten, mit denen man Plüschtiere aus einer Kiste rausholen
kann. Die gibt es bei uns nur auf Jahrmarkten. Dort haben sie ganze Läden voll
mit diesen Maschinen. Oder ein ganzer Laden mit einarmigen Banditen.
Interessant war es allemal. Schade, dass die Zeit immer so knapp ist. Am
nächsten morgen ging es früh weiter. Wir hatten schon am vergangenen Tag
begonnen ein Auslassventil zu wechseln. Damit sind wir nicht ganz fertig
geworden. Aber gegen Mittag war wieder alles bereit um nach Hause zu fahren. In
Tokyo hatten wir den Scheitelpunkt dieser Reise.

Erstmal fuhren wir wieder nach Yantian und Hong Kong. Auf der Überfahrt hatte
ich voll und ganz mit der Bestellung zu tun. Eine nervige Arbeit. Man muss ja
drei oder vier Monate im voraus planen, was die nächste Crew so alles benötigen
wird. Da ist es leicht irgendeine Kleinigkeit zu vergessen. Aber mittlerweile
ist sie fertig und bereit zum abschicken.
In Yantian haben wir dieses mal unseren Müll abgegeben. Das ist ja auch immer
ein gefeilsche.
Abends war ich hier auch wieder mit einigen Philipninos an Land. Das letzte mal
war ich vor drei Jahren hier. Da war die Stadt noch sehr mickrig. Aber
mittlerweile ist eine ganze Menge los. Es gibt mehrere Einkaufszentren, Bars
Restaurant und leben auf der Straße. Der Hafen ist auch riesig geworden. Dafür,
dass gleich um die Ecke Hong Kong und weitere zwei große chinesische Häfen
liegen.
Man denkt ja, dass wo die Schiffe größer werden man wieder längere Liegezeiten
hat,.
In Yantian habe ich jetzt gesehen, dass eine Containerbrücke bis zu vier
Container gleichzeitig laden kann. Auf dem Schiff waren wieder diverse Händler
die Elektronikschrott, Uhren und DVDs verkauft haben. Einer davon hat uns in die
Stadt gebracht und ist auch wie ein Fremdenführer bei uns geblieben. Er hat uns
Geld umgetauscht und uns gezeigt wo etwas los ist. Erst war ich kurz einkaufen.
Aber dann hat dieser Typ meine Kollegen und mich in einen Friseurladen gebracht
wo deutliche erkennbar schon andere Seeleute mit einigen Damen zusammen saßen.
Ab und an verschwand dann immer ein Pärchen in einer hinter einem rollbaren
Schrank versteckten Tür…
Wir haben kurz auf den Rest unserer Truppe gewartet und haben uns dann wieder
zum Schiff bringen lassen.
Noch in der Nacht sind wir nach Hong Kong gefahren wo wir am nächsten Morgen
angekommen sind. Hier hat der Chief die ganze Maschinenbesatzung sofort an Land
geschickt. Ich bin also mit dem Azubi zur U-Bahn gedackelt und in die Stadt
gefahren. Dort haben wir uns aber getrennt. Ich bin eigentlich nur den ganzen
Tag rumgelaufen, habe mir die Stadt mit ihren Parks, Geschäften und Stadien
angeschaut. Es ist schon gewaltig was es dort alles zu entdecken gibt wenn man
nur ausreichend Zeit hat. Ich finde es ja immer gut raus aus den überfüllten
Geschäftsvierteln mehr in die Wohngegenden zu kommen.
Hong Kong ist ja auch von Bergen umgeben. Auf einen davon kann man mit einer
Tram fahren. Von oben hat man dann eine gute Aussicht über die Stadt. Es war
leider etwas diesig und vom Hafen hat man nur eine Ecke sehen können aber es
lohnt sich auf jeden Fall. In der Tram wimmelte es sofort wieder von Touristen.
Wieder unten angekommen musste ich ganz schön hetzen um pünktlich beim Schiff zu
sein. So zwei bis drei Stunden wäre ich gerne noch dort geblieben um auch etwas
vom Nachtleben mitzubekommen.
Beim nächsten mal.
Es zog ja ein schwerer Taifun, der schon auf den Philipinen gewütet hatte genau
in unsere Richtung. Wir haben hier alles festgezurrt was irgendwie rumfliegen
könnte. Zum Glück hat der Sturm dann aber seine Richtung geändert und wir haben
nur einige Ausläufer abbekommen.
In Singapur war die Liegezeit anfangs ideal um Samstagabends entspannt an Land
zu gehen und die Nacht in der Stadt zu verbringen. Aber irgendwer hat uns einen
Strich durch die Rechnung gemacht. Anstatt 2300 waren wir erst kurz nach 0200
fest. Bis dann die Einwanderungsbehörde gekommen ist und Landgangstickets
ausgestellt hat war es zu spät um noch rein zu fahren. Sehr sehr schade.
Am nächsten Morgen standen aber nur ein paar kleiner Arbeiten an. ich musste im
Hafen zu einem Schwesterschiff laufen um für Ersatzteile zu betteln. Bekommen
habe ich sie aber nicht. Ich bin noch kurz dageblieben und habe mich mit den
Leuten dort unterhalten. Die haben noch drei Monate vor sich. Da freut es mich
gleich umso mehr schon bald zu Hause zu sein.
Aber zum frühen Nachmittag war alles geschafft, so dass ich zum letzten Landgang
dieser Reise aufbrechen konnte.
Leider ist es immer etwas ungünstig Mittags in Singapur draußen zu sein. Es
regnet immer wie aus Eimern. Ich wollte aber nicht abwarten sondern bin gleich
los gelaufen. Noch vor dem Gate war ich triefend nass. Aber egal sobald es
aufgehört hat zu regnen trocknen die Klamotten ja rasend schnell.
Richtig viel Zeit hatte ich nicht. Aber ich war nochmal kurz einkaufen und etwas
essen. An so viele Landgänge kann man sich in der Tat gewöhnen.

Jetzt wie gesagt geht es in großen Schritten nach Hause. Noch einmal mit den
Söldnern durchs Piratengebiet gurken und dann kann man sich nur noch auf die
Heimat freuen.

Ich wünsche euch noch eine schone Woche

Franz

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