Sonntag, 17. Mai 2009

Franz der Seefahrer wieder unterwegs auf den sieben Weltmeeren

CREW KIEL EXPRESS

17. Mai 2009, Nordatlantik
Nach sehr, sehr langer Zeit melde ich mich mal wieder vom Schiff. Ich glaube es
sind fast sieben Monate seit der letzten Mail vergangen.
In der Zwischenzeit habe ich meine Abschiedsprüfung bestanden. Ich bin also kein
Stift mehr sondern vollständiger Schiffsmechaniker.
Ich habe mich riesig gefreut endlich wider fahren zu können. Normalerweise sind
die letzten Tage vor dem Einsteigen immer etwas schwierig. Denn Eigentlich wäre
die eine oder andere Woche zu Hause doch noch ganz nett. Dieses Mal war es
andersrum. Ich hätte ruhig schon ein paar Tage früher los fahren können.
Am Montag bin ich am frühen Nachmittag in Bremerhaven eingestiegen. Das Schiff
war schon lange da. Es gab also erstmal nicht so viel zu tun (was sich bis jetzt
nicht geändert hat). Der Müll war schon abgegeben und die Ersatzteile und der
Proviant wurden von anderen Übernommen.
So konnte ich mich etwas von dem alten Schiffsmechaniker einweisen lassen und in
Ruhe meine Sachen auspacken.
Und dann irgendwann gegen 17:00 Uhr habe ich dann des Schiffsmechanikers
Schlüsselbund bekommen. Die Macht über die Ausrüstung und alle Türen war mein.
Um die Zeit war noch der Germanische Lloyd an Bord. Quasi der TÜV für Schiffe.
Der hat bemängelt, dass ein Luftventil für eine Feuerklappe durchgerostet war.
Mit einem Öler habe ich das dann noch bis 19:00 Uhr repariert.
Am nächsten Morgen kam ich dann um 06:00 Uhr nach unten. Außer dem noch jungen
lettischen 3. Ing. war aber niemand anders da. Ich habe mich etwas in meinem
Store umgeschaut und bin in der Maschine ein wenig spazieren gegangen.
Um 08:00 Uhr ging es dann los. Erst habe ich das Ventil nochmal justiert. Gegen
10:00 Uhr kam dann noch etwas Ausrüstung, die ich übernommen und dann auch schon
ausgepackt habe.
14:00 Uhr sind wir dann endlich ausgelaufen. Es ging ganz schnell. Ich war vorne
und habe die Winden bedient.
Am nächsten frühen Morgen sind wir bei gefühlten minus geraden schon wieder in
Rotterdam eingelaufen. Bis zum Feierabend habe ich noch eine Verstopfung in
einer Schwerölleitung beseitigt. Den neuen Overall habe ich dadurch sofort
eingesaut. Na ja es gibt schlimmeres. Dafür hatte ich kurz nach dem Mittag
Feierabend. So konnte ich endlich das Schlafdefizit des vergangenen Wochenendes
aufholen.
Noch in derselben Nacht sind wir dann Richtung Kanada aufgebrochen. So richtig
viel gibt es hier noch nicht zu tun. Ich beschäftige mich mit kleineren
Hausmeisterjobs. Schlösser reparieren und solche Dinge. Die Besatzung ist aber
sehr gut. Der 2. Ing. ist arbeitsmäßig sehr ruhig. Zu mindestens solange nichts
großes Ansteht. Dafür spricht er jetzt schon davon, wo er in LA abends überall
hinwill.
Eine Azubine habe ich auch. Momentan assistiert sie mir ein wenig. Wie gesagt
viel gab es hier noch nicht zu tun. Ich glaube es ist eh meine wichtigste
Aufgabe, die Bar samt Zapfanlage in Schuß zu halten. Heute morgen bei der Messe
hat der Kapitän ein Spiel vorgeschlagen. Das Gewicht wird gemessen und man muss
schätzen ob man zu nächsten Woche ab oder zunimmt. Bei unserem Koch wird wohl
letzteres der Fall sein. Er ist sehr gut. Abends hat er immer zwei warme
Gerichte zu Auswahl. Und die Wahl fällt da immer sehr schwer, sodass man schon
mal beide probiert.
Nachdem es uns in den letzten Tagen ganz schön durchgeschaukelt hat, ist das
Wetter jetzt auch wieder ruhiger und vor allem sonniger. Ja im Momentan deutet
alles auf eine sehr entspannte und lustige Reise hin.
Einen schönen Sonntag noch.
Franz

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