Sonntag, 5. April 2009

taz-schreiberin korrigiert ihren eigenen text in ihrem Blog

Wunderbar die Kommentare in Liz Blog zu lesen.

Liz beschwert sich über das Redigat ihres Artikels in der taz und der Chef vom Dienst reagiert in den Kommentaren ihres Blogs.

"Hallo in die Runde,

ich war am Freitag der Chef vom Dienst in der Berlin-Redaktion der taz und habe den Text von Lisa redigiert, bevor er in Druck ging. Vielleicht sind nicht allen Lesern die Abläufe in einer Zeitungsredaktion bekannt, daher möchte ich zunächst kurz schildern, dass alle Texte in der taz von zwei Personen redigiert werden: Vom Chef vom Dienst (der den Text inhaltlich gegenliest und auch für die Formalia zuständig ist, etwa die richtige Länge von Text, Überschrift und Unterzeile). Und von der Korrektur-Abteilung, die vor allem Rechtschreibfehler entfernt. Auch meine Texte (ich bin die meiste Zeit nicht Chef vom Dienst, sondern Redakteur für Landespolitik) werden redigiert, was ich sinnvoll finde, weil ich häufig zu tief in Themen drinstecke und dann zu detaillistisch schreibe und zu viel Vorwissen voraussetze. Da ist es gut, wenn nochmal jemand, der sich noch nicht so intensiv mit einem Thema beschäftigt hat, drüberliest und meine Texte verständlicher macht.

Lisas Text habe ich überarbeitet, weil der Platz nicht ausreichte, um den Text in voller Länge abzudrucken, und weil der Text nach meiner Ansicht etwas zu gemächlich mit einer allgemeinen Beschreibung des Tagungsortes und der Besucher begann, bevor es dann um die Inhalte ging. Grundlage für meine Überarbeitung war der von Lisa geschriebene Text und ein Telefonat mit ihr im Vorfeld, wo sie mir bereits ihre Eindrücke vom Kongress geschildert hatte.

Dabei habe ich offensichtlich überredigiert. Lisas beiden Sätze um Lessig hatte ich so verstanden, dass sich Lisas im zweiten Satz geäußerte Enttäuschung auch auf die im ersten Satz genannten Personen (außer Glaser) bezieht. Außerdem hatte ich Lisa so verstanden, dass sie die Themenauswahl zu uninteressant findet.

Offensichtlich habe ich das aber nicht so verstanden, wie Lisa es gemeint hatte - und es darum falsch umgeschrieben. Es war nicht meine Absicht, Lisa dort eine Meinung reinzuschreiben, die nicht ihre ist. Ich habe mich daher bei ihr bereits entschuldigt.

Ich finde es gut, dass Lisa hier die Überarbeitungen kenntlich macht und problematisiert. Ich glaube, dass solche Debatten um den Sinn und die Grenzen des Redigierens hilfreich sind: Für die Leser, damit die Abläufe in einer Zeitungsredaktion transparenter werden. Und für Journalisten, weil solche Debatten Anlass sind, das eigene Handeln zu hinterfragen (und von Selbstreflektion im Journalismus haben wir insgesamt eher zu wenig als zu viel).

Sebastian Heiser" 

(zitiert aus dem Kommentaren zum Artikel von Lisa)

Hah! Blogs können ja doch zu etwas gut sein!
(via shrip)

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