Montag, 27. Oktober 2008

Über einen Lagerkurs im Lager... (von Thomas Meyer-Falk)

19. Okt. (Vor 8 Tagen)

Wer etwas zugespitzt von Gefängnissen sprechen möchte, nennt diese (auch
in Deutschland) schon mal Lager, selbst wenn dieser Begriff letztlich
für die Verhältnisse in Deutschland nicht zutrifft (zumindest noch
nicht, denn wenn man die Entwicklungen in anderen Staaten verfolgt, und
die gelegentlich hochkochende Stimmung, werden vielleicht auch hier in
der BRD - wieder - Lager eingeführt werden).

Von Juni bis Oktober 2008 fand in der Justizvollzugsanstalt (JVA)
Bruchsal für 13 Gefangene ein Lehrgang zur Qualifizierung zur
Lagerfachkraft statt. Zu Beginn machte jeder Teilnehmer auf dem Gelände
der Anstalt den Gabelstaplerschein und im Anschluss daran, saßen wir
knapp drei Monate in der Gefängnisschule.

Jeder von uns musste sich mit 500 Euro an den Kursgebühren beteiligen;
wobei laut Auskunft einer der Lehrkräfte der DEKRA Qualifikation GmbH,
Karlsruhe, welche den Kurs durchführte, die Kosten pro Gefangenem bei
3500-4000 Euro gelegen haben dürften. Einige der Teilnehmer hätten ohne
die Eigenbeteiligung die Teilnahme sicherlich vorzeitig abgebrochen.

Hiervon nehme ich mich selbst nicht aus, denn Hitlerbilder auf den
Computern trugen eben so wenig zumindest zu meiner Motivation bei, wie
so manch sexistischer Spruch jenes fest bei der DEKRA angestellten
Ex-Soldaten (12 Jahre, u.a. bei den Fallschirmjägern), der im
Zusammenhang mit Entwicklungen aus Japan auch noch laufend von "den
Japsen" sprach. Erst nach meinem Hinweis, er möge doch seine
chauvinistischen Scherze sein lassen, aber auch das Gerede von "den
Japsen", hielt er sich zurück.

Die Hitlerbilder waren von den Rechnern erst verschwunden, nachdem ein
neues Betriebssystem aufgespielt wurde (da Gefangene weder USB-Sticks,
noch CD-Roms besitzen dürfen fragt man sich, wenn Gefangene als "Quelle"
ausscheiden, wer ursprünglich die Bilder ins Intranet einspeiste - denn
ans Internet sind die Rechner selbstverständlich auch nicht angeschlossen).
Wenig überraschend fanden sich zudem diverse antisemitische Ausfälle
seitens mancher Teilnehmer: seien es antisemitische Sprüche, bis hin zu
"Karikaturen". Eine intellektuelle Reflexion fand nicht statt, vielmehr
wurden Stereotype reproduziert. Diese waren weniger fremdenfeindlich
motiviert, denn die Zusammensetzung der Klasse war multikulturell:
türkische Migranten, der Balkan war vertreten, Südeuropa und auch
deutsche Gefangene.

In den ersten Tagen kamen die Herren H. und G. zu uns in die
Anstaltsschule, beides freie Mitarbeiter der DEKRA und brachten uns in
lebendiger Art und Weise die Situation auf dem Stellenmarkt näher,
legten auch Schwerpunkte im Bereich Kommunikation und
Arbeitnehmerrechte, gerade was die Zeitarbeitsbranche betrifft.
Die letzten zwei Monate war dann der schon weiter oben erwähnte
Ex-Soldat M. unser Lehrer. Wenig Anklang fand seine Unterrichtsmethode
den Inhalt des Lehrbuchs in etwas komprimierter Form an die Tafel zu
schreiben, von wo wir es dann abzuschreiben hatten. Erst gegen Kursende
ging Herr M. auch zu etwas anschaulicherem Unterricht über. Dem
aktuellen fachlichen Standard durfte es jedenfalls eher nicht
entsprechen, Seite um Seite an die Tafel zu schreiben, um es dann
stupide abschreiben zu lassen. Wo er sich von dem Buch löste und aus
eigener Erfahrung berichtete, wurde jedoch auch sein Unterricht
anregender und die Aufmerksamkeit der Teilnehmer nahm zu.

Zudem fand der Lehrgang schon dadurch ein versöhnliches Ende, dass Herr
M., der Anregung der Teilnehmer folgend, zur Verabschiedung Döner
mitbrachte. "Draußen" vielleicht etwas Banales, aber für Gefangene die
so etwas seit mitunter vielen, vielen Jahren nicht mehr essen konnten,
ein Genuss.
Auch wenn die wenigstens der Teilnehmer später in einem Lager arbeiten
dürften, so hat doch jeder etwas gelernt und für sich mitgenommen.

Bildung ist elementar! Nicht-Wissen, Nicht-Können führen ins Abseits und
deshalb sind solche Kurse so wichtig für die Gefangenen. Erst recht wenn
sie von kritischen Lehrkräften, wie den Herren H. und G. durchgeführt
werden, die nicht nur an einem still und gut funktionierenden
(künftigen) Arbeitnehmer interessiert sind, sondern dezidiert über
Rechte und Rechtsschutzmöglichkeiten im Arbeitsleben, wie auch die
(teils recht schmutzigen) Tricks der Arbeitgeber, insbesondere in der
Zeitarbeitsbranche aufklären.

Thomas Meyer-Falk, c/o JVA-Z. 3113, Schönbornstrasse 32, 76646 Bruchsal
(Germany)

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