Montag, 29. September 2008

Franz mal wieder auf dem Weg nach New York

Einen schönen Sonntagmorgen,
ich weiß es ist schon wieder lange her, seit meiner letzten Mail. Das letzte Mal habe ich ja geschrieben, dass diese Reise ruhig und beschaulich ist. Man soll solche Sachen ja nicht herbei reden. Die Rückfahrt nach Europa jedenfalls war alles andere als ruhig. Die ersten Tage sahen wieder nach einer schönen Überfahrt aus. Wir hatten noch ein paar Tage schönes, warmes, sonniges Wetter,
es standen ein paar Arbeiten an aber auch nicht zu viele. An dem Montag habe ich um Beispiel den Separator aufgemacht, was schon ein kleines Abenteuer war. Am Tag danach war ich wieder an Deck schweißen. Wir haben im Prinzip zwischen zwei Containern geschweißt, die jeweils explosive und brennbare Ladung beinhalteten. Der 1. Offizier meinte, solange wir vorsichtig sind passiert da auch nichts.
Etwas mulmig war mir aber schon zu Mute. Passiert ist aber nichts. Am Mittwoch kam dann das große Desaster. Ehrlich gesagt habe ich das auch zum ersten mal mit gemacht.
Wir haben planmäßig gestoppt und wollten einen Blackout proben. Der Eigentliche Grund Hauptmaschine und Hilfsdiesel abzustellen war aber ein leckendes Ventil am LT Kühlwässer System zu reparieren. Davon habe ich erst erfahren, als ich den 2. Ing. mit seinen Jungs an dem Ventil rumschrauben hab sehen. Ich war ja schon wieder angefressen, weil ich nicht verstehe, weshalb der 2. sowas nicht erzählt.
Ganz am Anfang der ganzen Aktion war es echt cool. Alle Maschinenjungs standen im Maschinenkontrollraum. Das Licht und alle Lüfter gingen aus und wir sind ausgeströmt um, wie ich zu diesem Zeitpunkt noch dachte Leckagen zu suchen. Der Notstromgenerator ist sehr schnell angesprungen und das Notlicht hat funktioniert. Das mit dem Ventil hat nicht so geklappt wie der 2. sich das
vorgestellt hat. Also Ventil wieder kaputt zusammengebaut und versucht die Diesel zu starten. Das hat nicht geklappt. Denn das Schnellschussventil für den Treibstoff war zu. Die Ings haben das nicht gesehen. Es war ein Oiler. Also Diesel gestartet, es kam auch Licht aber nach kurzer Zeit war alles schwarz. Ein Glück, dass der Notdiesel zuverlässig immer wieder gestartet hat. Jetzt ging die
Fehlersuche los. Mit Anrufen bei einer Service Firma in Hamburg. Die Elektriker und die Ings sind rumgerannt wie die aufgescheuchten Hühner. Ich weiß es nicht ganz genau aber eine Sicherung ist immer rausgeflogen. Sprich der Diesel hat Strom erzeugt und ging auch ans Netz aber die Sicherung von einem Transformer ist immer wieder rausgesprungen. Die haben echt alles versucht aber um 20:00 war
immer noch kein Strom da. Da tun sich dann einige Probleme auf.
1. Wir können nicht weiterfahren, was nicht so schlimm ist da der Fahrplan genug lose beinhaltet. Insofern wir das Problem selber wieder lösen können.
2. Die ganzen Kühlcontainer werden warm.
3. Kein Dampf, sprich das ganze Schweröl wird nicht mehr beheizt und die Motoren werden kalt
4. Kein fließendes Wasser und keine Toiletten mehr.
Der letzte Punkt ist dabei natürlich das schlimmste. Ohne Witz wir haben schon Eimer verteilt als Kloersatz.
Umso später es wurde umso mehr kam die Befürchtung auf, dass wir abgeschleppt werden müssen. Im schlimmsten Fall hätte das bedeutet, dass wir zwei Wochen später ankommen. Das ohne Klos und fließend Wasser. Im Endeffekt wurden jetzt die „defekten“ Bauteile überbrückt, so dass die meisten Systeme wieder Strom haben. Trotzdem liegen jetzt zig fliegende
Leitungen im Maschinenraum um die Aggregat mit Strom zu versorgen, die an den unversorgten Schalttafeln liegen. Die ganze Geschichte war kurz nach 23:00 Uhr unter Kontrolle gebracht. Wir haben
nach dem ersten Kaffe also kurz nach 10:00 Uhr gestoppt. Was für ein Tag. Vor allem konnte ich nichts machen. Ich habe keine Ahnung von E-Technik. Die meiste Zeit stand ich dumm rum und habe zugesehen. Die haben aber auch nicht mit mir gesprochen. Na ja Egal. Mittlerweile ist alles wieder beim alten. Am Ende habe ich den Kesselwassertank mit Schläuchen aufgefüllt. Als
Unterstützung hatte ich noch den SM, Fitter, Wiper und einen Oiler. Die nächsten Tage mussten wir immer wider mit Kanistern den Tank vom Notdiesel auffüllen. Was für eine Schlepperei. Eh haben die den SM und mich in den folgenden Tagen ganz schön geärgert. Dadurch, dass wir einen Tag durch den Blackout ja komplett verloren haben und auch noch ein Separator angefangen hat
zu spinnen, der auch auf und saubergeacht werden musste, was nochmal zwei Tage gedauert hat. Haben wir etwas Zeitdruck bekommen. Aber irgendwie kam dann jeder noch mich irgendwelchem unwichtigen Kleinscheiß an. So war der Steward zu blöde einen Wasserhahn zu schließen. Die Theorie ist so. Er hat im Hospital das Wasser laufen lassen, damit sich in den Leitungen keine
Bakterien bilden. Dann kam der Blackout, sprich das Wasser hat nicht mehr funktioniert. Er ist einfach weg gegangen. Über Nacht und den nächsten Tag lief das Wasser wieder und war natürlich im Hospital noch aufgedreht. Jetzt war im Ablauf ein kleines Leck. Am nächsten Tag stand das halbe Hospital unter Wasser. Natürlich mussten der SM und ich rann um alles wieder Heile zu machen.
So ging es ein bisschen weiter. Bis Rotterdam an diesem Montag musste noch der ganze Müll fertig gemacht werden, was ja auch seine Zeit dauert. In Rotterdam haben acht von den Philippinos gewechselt. Jetzt haben wir meinen absoluten Lieblingskoch an Bord. Ich kannte ihn schon von einen meiner letzten Schiffe. Damals hatten wir schon eine ganze Menge Spaß. Nebenbei ist er auch
noch richtig gut. Der Dienstag war dann der erste ruhige Tag seit langem. Ich habe die Abgabe für Hamburg vorbereitet und noch einige Kleinigkeiten erledigt. Das Einlaufen in Hamburg war toll. Das Wetter war spitze. Es gab viel zu sehen. In Blankenese und Umgebung stehen ja schon ein paar schicke Häuser. Am frühen Nachmittag waren wir fest. Dann ging es los mit der Übernahme von Proviant und Ersatzteilen. Meine Freundin ist am frühen Abend gekommen und ich habe meine Aufgaben an einen von den zwei neuen Azubis weiter delegiert. Der nächste Tag ging auch ruhig los. Die wenigen Spare Parts habe ich schnell ausgepackt und dann hatte ich fast bis 13:00 noch Zeit mit meiner Freundin. Ausgelaufen sin wir um 14:00. Wieder bei bestem Wetter. Ich sollte noch eine ganze Weile vorne bleiben um in Notfall den Anker schmeißen zu können. Dabei habe ich die Ruhe und die Sonne genossen. Ich habe festgestellt, dass die Hamburger recht undfreundlich sind. Jedem Passagierboot und jedem an Land stehendem Menschen habe ich gewunken. Aber bis auf ein paar Kinder hat niemand zurückgewunken. Das war jetzt in England schon anders. Da sind wir an einem Kreuzfahrtschiff vorbei gefahren. Da haben die meisten freundlich zurück gewunken.
Freitag war ich noch kurz in Le Havre an Land. Der Bus, der zur Seemannsmission gefahren ist, war voll weshalb ich knappe 1,5 Stunden in die Stadt gelaufen bin. Ich sollte noch Spülmittel kaufen, weil die Küchenjungs nur noch einen Spuckrest hatten. Gestern beim Einlaufen in South Hampton waren hunderte fast tausend Segelboote auf dem Wasser. Das Wetter war richtig gut. Vor allem für England. Die Marinas waren wie ausgestorben. Ich hatte was zu gucken. Aber ich denke für die Leute auf der Brücke war das etwas nervig.
Ansonsten warten wir hier nur noch, dass sich der Nebel aufklart und wir losfahren können. Wieder einmal Richtung New York. Also einen schönen Sonntag noch.
Franz

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