Mittwoch, 30. April 2008

Franz auf den Weltmeeren im April 2008

Hallo,
Es ist schon wieder Sonntag und ich möchte die Gelegenheit nutzen die vergangene
Woche in Worte zu fassen.
Mittlerweile bin ich mehr als 5.000 km und sechs Stunden Zeitunterschied von zu
Hause entfernt. Die Überfahrt war relativ entspannt. Wir sind sehr weit südlich
gefahren um Eisbergen aus dem Weg zu gehen. Die Arbeit macht hier richtig Spaß.
Es gibt kaum Zeitdruck, ich albere viel mit meinem Mitazubi und dem
Schiffsmechaniker rum. Wir brauchen zwar etwas länger für unsere Aufgaben, aber
das liegt Eigentlich hauptsächlich nur daran, dass unverschuldet immer eine
ganze Menge schief geht. So haben wir bei einem Separator eine Welle gezogen um
Kugellager auszutauschen. Jetzt steckten in einer Hülse noch ein altes
Kugellagerteil, was beim zusammenbauen aufgefallen ist weil nichts mehr gepasst
hat. Die Problemsuche und Beseitigung hat fast einen halben Tag gedauert. Beim
Anlassluftventile ziehen an der Hauptmaschine ist der Maschinenraumkran
ausgefallen, was die Arbeit schier unmöglich gemacht hat. Aus einem 30 Minuten
wurden dann halt vier Stunden.
Nach der Arbeit geht es hier eher suboptimal zu. Die europäische Crew ist super.
Wir haben zwei Polen und Azubis eingeschlossen sechs deutsche. Was richtig viel
ist. Abends sitzen wir öfter in der Bar zusammen. Aber das Verhältnis zu den
philippinischen Kollegen ist schlecht. Ich habe mich bisher kaum mit einem
Philippino unterhalten. Zu mindestens nicht über die Arbeit hinaus.
Letze Woche hatte mein Azubikollege Geburtstag gefeiert. Da ging der
Kindergarten richtig los. Seit dem die Jungs dem Chief und dem Schiffsmechaniker
zu Weihnachten alles weggefressen haben, haben die beiden einen Groll auf die
Philippinos. Die zwei jedenfalls wollten in der Offiziersbar feiern und wären
nicht erschienen, wenn auch Philippinos gekommen wären. Ich bezweifle
allerdings, dass sie das ernst gemeint haben. Jedenfalls, der Kapitän wollte
keine Apartheit und wollte nicht erscheinen, wenn keine Philippinos mit in die
Offiziersbar kommen. Letztendlich wollten die Philippinos in ihrem eigenen
Aufenthaltsraum bleiben und haben die Einladung in die O-Bar abgelehnt. Torben
hat den Jungs dann zwei Kästen Bier hingestellt und sich eine halbe Stunde zu
ihnen gesetzt. Der Kapitän ist nicht gekommen und wir anderen haben bis
Mitternacht in der O-Bar gesessen.
Ich hoffe wirklich, dass sich das Verhältnis etwas entspannt. Aber spätestens in
Hong Kong, wenn ein Großteil der philippinischen Besatzung wechselt sollte es da
ein wenig frischen Wind geben.
Am Morgen danach sozusagen konnten Torben und ich bis 08:00 Uhr schlafen als
Ausgleich, dass wir bis Mitternacht den Chief unterhalten mussten, der sämtliche
Versuche schon vor ihm zu gehen im Keim erstickt hat.
Auch unsere Offizierin hat sich anfangs etwas distanzierter als ganz nett
entpuppt. Aber Aufgrund ihrer Wachzeiten (0:00-04:00 und 12:00-16:00 Uhr) ist
sie aus dem gesellschaftlichen Bordleben etwas ausgeschlossen.
Da Torben ab Montag Maschinenwache geht, die beinhaltet, dass er wahrscheinlich
auch öfters mal nachts raus muss habe ich jetzt eine eigene Kammer erhalten. Ich
wohne jetzt dem Kapitän gegenüber, habe Mehrblich und sehr viel Platz.
Gestern waren wir in Halifax, Kanada. Da so viel in der Maschine zu tun war und
wir auch nur eine sehr kurze Liegezeit hatten habe ich es nicht geschafft an
Land zu gehen. Dafür kann ich Morgen einen ganzen Tag lang New York unsicher
machen.
Das Ein und Auslaufen muss ich vorübergehend komplett auf der Brücke verbringen.
Das heißt steuern bis zum Umfallen. Vor allem wenn man mitten in der Nacht dazu
geweckt wird ist das absoluter Mist. Es ist dunkel, man ist Müde und vor allem
steht man die ganze Zeit. Vor heute Nacht graut es mir schon wieder. Ich glaube
ich muss da mal ein ernstes Wort mit dem Kapitän reden. Am besten wenn ich ihn
wieder im Tischtennis abziehe.
Na gut Kaffe und Kuchen erwarten mich. Einen schönen Restsonntag.
Franz

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