18. März vor Shanghai

Freudige Nachrichten. technisch gesehen trete ich mittlerweile die Rückreise an. Praktisch sind es trotzdem noch vier Wochen, bis ich zu Hause bin. Nach dem ich das letzte Wochenende im schönen, warmen, sauberen Singapur verbracht habe, ging es am Mittwoch in Shekou, China an Land. Dort wartete dreckiges Wasser, stinkende Luft, kein Landgang aber wenigstens Wärme auf mich. In Hong Kong, das ja nur zwei Stunden von Skekou entfernt ist, stand wenigstens ein Landgang an. Ich hatte aber nur relativ wenig Zeit und habe auf dem großen Nachtmarkt die lokale Wirtschaft angekurbelt. Lustig war, dass wir Kollegen aus einem Lehrjahr über uns in Hong Kong getroffen haben. Insgesamt lagen zu der Zeit vier Schiffe von uns dort. Aber auch allgemein waren viele Europäer unterwegs. Leider war es wie gesagt schon dunkel und wir hatten nicht viel Zeit, weswegen wir kaum Sightseeing machen konnten. Hoffentlich wird es
beim nächsten Aufenthalt in ein paar Tagen besser.

Jedenfalls nach Hong Kong sind wir etwas die chinesische Küste raufgefahren, nach Niengbo. Das Einlaufen war wie immer mitten in der Nacht. An den Geruch und das brackige Wasser habe ich mich ja nun schon gewöhnt aber es war arschkalt. Niengbo liegt auf Höhe Suez aber wir hatten dort keine 10°C. In Niengbo selber geht nicht viel, weswegen wir auch gearbeitet haben anstatt uns die Gegend anzuschauen.
Das Losmachen um 05.00 Uhr war ein totales Desaster. Wir hatten vorne einen Schlepper der uns rausziehen sollte. Nebenbei: wir hatten so knapp eingeparkt, dass wir teilweise nur fünf Meter zum Schiff vor uns hatten. Jedenfalls der Schlepper zieht und von der Brücke kommt das Kommando Schlepper los. Leider hatte der Kapitän etwas Verständigungs-Schwierigkeiten mit dem Lotsen, der wollte nämlich den Schlepper noch dran lassen. Jedenfalls zieht der Schlepper weiter. Schlussendlich haben sich Kapitän und Lotse geeinigt und wir machen uns daran den Schlepper los zu machen. Der kommt auch etwas ran und lockert seine Winde. Aber eben nicht genug. Wir konnten ihn auch nicht zum näher Rankommen überreden. Also haben wir das Schlepperseil mit einem eigenen und der tatkräftigen Unterstützung einer Winde gehievt, das Schleppseil vorsichtig vom Poller genommen. Dann gingen alle in Deckung und wir haben die Winde Weggeviert. Glücklicherweise ging alles gut, bis auf das ein chinesischer Schlepper jetzt ein Seil von uns hat.

Überraschenderweise bot sich mir eine tolle Landschaft dar. Wir sind auf einem sehr breiten Fluss gefahren, der zu einer Seite von steil abfallenden Bergen und zur anderen Seiten von etwas flacheren Hügeln flankiert wurde. Auf der flachen Seite konnte man kleine Dörfer sehen. Entweder schlängelten diese sich an den Hängen entlang oder lagen direkt am Wasser und hatten kleine Fischerhäfen.
Was wirklich krass war, als wir den Fluss verlassen haben und das Land nur noch knapp zu sehen war, kam die Sonne raus und das Wasser wurde von einem Punkt auf den andren total klar. Die Linie zwischen braun und blau war deutlich zu sehen. Ich kommentiere das jetzt nicht. Am selben Tag nach dem Abendbrot haben wir dann auch schon in Shanghai festgemacht. Das war insofern abenteuerlich, dass ich mit Kollegen an Deck
stand und wir die Containerbrücken gesehen haben. Wir in unserem jugendlichen Leichtsinn gingen davon aus, dass wir noch weiter fahren. Nichts da. Ne halbe Stunde später kommt das Kommando: in einer Minute auf Station sein! Na toll. Zu unserem Glück mussten wir auch noch eine zusätzliche Leine klarmachen. Normaler weise machen wir mit fünf Leinen fest, die auf fünf Winden liegen. Jetzt haben wir also eine sechste Leine an einem unserer Poller festgemacht. Nichts tragisches, aber es war durch die knappe Zeit halt etwas hecktisch. Der Hafen von Shanghai (der neue, wo wir gelegen haben) ist kranker China- Scheiß. Einen kleinen Felsbrocken mitten im Meer wurde etwas aufgeschüttet und zu einem großen Hafen ausgebaut. Dann haben die Chinesen einfach eine 32,5 km lange Brücke gebaut um Felsklotz und Festland zu verbinden.
Am Sonntag sind wir dann in die Stadt gefahren. Nach der Fahrt über die Brücke sah man schon die Vororte von Shanghai, ein Meer aus kleinen Mehrfamilienhäusern, umgeben von Feldern und Gewächshäusern. Nach 1,5 Stunden fahrt waren wir im Zentrum. Raus gelassen wurden wir an einem kleinen Park, in einem Touri/ Shopping Viertel. Das interessante an Shanghai, was ich auch schnell mitgekriegt habe ist, dass man gerade noch in einer modernen Fußgängerzone ist und eine Querstrasse weiter hat man das Gefühl, dass die Zeit stehen geblieben ist. Dreck, verwahrloste Häuser, Gestank, Wäsche waschen am Waschbrett auf der Straße, zwischen den Häusern gespannte Wäscheleinen und Handwerker, die ihr Tagwerk auf dem Bürgersteig ausführten. In einer kleinen Gasse wurde das Klischee über die chinesische Küche für mich Wirklichkeit. Alles, was man irgendwie essen kann wurde hier feilgeboten. Teigwaren, Früchte, Obst Meeresgetier und Fleisch. Ich habe da so eine Idee wo die Vogelgrippe
hergekommen ist. Na ja, wir haben beschlossen keine essenstechnische Experimente
zu machen und haben lieber bei McDonalds unseren Hunger gestillt. Allerdings habe ich Bambussaft getrunken, wirklich lecker. Jedenfalls nur wenige Meter weiter, war der Huangpu Fluss. Von unserer Uferseite aus hatte man eine tolle Aussicht auf die Skyline und das Bankenviertel. Riesige und unzählige Wolkenkratzer taten sich da vor uns auf. Eigentlich wollten wir noch auf den Orientel Pearl Tower, diesen Turm, mit einer Kugel unten und oben. Zeitlich haben wir das aber nicht geschafft.
Ab Morgen Nacht haben wir dann drei Häfen in drei Tagen. Ein und Auslaufen tollerweise nur nach Feierabend. Na gut ich werde jetzt schlafen gehen, die nächsten Tage versprechen anstrengend zu werden. Glücklicherweise wird es schon wieder wärmer.
Liebe Grüße
Franz