Franz hat den Indischen Ozean überquert
8. März - 9. März vor Malaysia
Hallo,
Die Überquerung des Indischen Ozeans ist beendet. Nach über zehn Tagen sehen wir
nun wieder Land. Das heißt, dass der gewohnte Trott unterbrochen wird. Heute
Nacht geht es dann gleich richtig los, wenn wir in Port Klang, den Hafen von
Kuala Lumpur einlaufen. Wir werden gegen Mitternacht fest machen. Danach werde
ich der Maschinencrew helfen, den trieb der Hauptmaschine zu kontrollieren. Ich
bleibe da bis zum Ende dabei. Es wird geschätzt, dass die ganze chose sechs
Stunden dauern wird. Als Ausgleich hatte ich den Nachmittag frei und werde auch
erst wieder Freitagmittag arbeiten.
Samstag drei Uhr sollen wir dann für knappe 24 Stunden in Singapur liegen. Ich
gehe fest von der Annahme aus, dass wir in dieser Zeit Gelegenheit zu einem
ausgedehnten Landgang erhalten.
Die Tage nach dem Suez Kanal waren super. Ich hatte ja bis Freitag letzte Woche
noch Brückenwache. Dass arbeiten zwischen 0:00 und 4:00 war zwar anstrengend,
die Zeit verging aber schnell. Die Nachmittage habe ich dann bei 30° C in der
Sonne verbracht, oder bin bei angenehmen 26°C Wassertemperatur in den Pool
gesprungen
Der Vorteil der Brückenwache ist, dass man eine ganze Menge sieht.
Zum Beispiel Delphine. Mal nur von weitem mit dem Fernglas, mal ziemlich nah.
Einmal waren sie richtig nah am Schiff und sind neben uns her geschwommen. Das
heißt, sie sind eher gesprungen. Wale waren da schon ein seltenerer Anblick. Von
denen hat man aber leider meistens nur den Blas gesehen, was nun nicht soo
spannend ist.
Zwei wirkliche Highlights waren zum einen ein Flugzeugträger. Da konnte ich das
volle Programm aus der ferne verfolgen. Ein startendes Flugzeug, Hubschrauber
und zwei Jägerstaffeln, die im Tiefflug über den Ozean geflogen sind.
Das andere Highlight war vor wenigen tagen die Queen Mary 2, die uns in nur
wenigen Meilen abstand entgegen gekommen ist.
Am Samstagabend hatten wir auf der Back eine kleine Grill Party. Der Koch hat
ein paar wirklich leckere Sachen zubereitet. Überhaupt ist das essen wirklich
gut hier an Bord. Nur werden frische Waren langsam knapp. Aber das hat sich ja
jetzt auch bald erledigt.
In der aktuellen Woche bin ich in unserer Werkstatt und baue allen möglichen
Kram. Von einem Regal, über Halter für Ringschlüssel bis zu Wandhalter für
schweiß Elektroden.
Die Abende vergingen diese Woche sehr schnell, weil wir die Uhren vorgestellt
haben. Also eine Stunde pro Nacht weniger schlafen. Vor allem, wenn man am Abend
einem Kollegen nur mal eben beim rauchen Gesellschaft leisten möchte und man
plötzlich bis zwei Uhr Nachts draußen steht, wird es etwas grenzwertig. Vor
allem wenn dann fast alle Mitglieder dieser Abendlich Runde (einschließlich
einem Ausbilder) am nächsten Tag verschlafen. Leider Gottes haben wir hier ein
System, wenn jemand Mist baut, wie zum Beispiel einen Drehmeißel abbrechen, muss
eine Kiste Bier ausgegeben werden. Zurzeit stehen hier drei Kisten rum (nach
Gestern Abend nur noch zwei). Zum Glück verteilt sich die Last auf viele
Schultern.
Aber ich werde mich noch mal für ein bis zwei Stunden hinhauen, um etwas Schlaf
abzufassen, bevor es losgeht.
Ihr seht mich lachend. Ich lag eine halbe Stunde im Bett, klingelt das Telefon.
Also Aufstehen, Festmachen, Maschine. Ich bin also mit dem Ingenieur und
weiteren Azubis in den Spülluftkanal der Maschine geklettert. Durch den
Spülluftkanal kommt frische durch Turbolader aufgeladene Luft in den Kolben um
dort verdichtet zu werden.
Wenn man da rein klettert kann man den Kolben inspizieren. Die Sache dauert an
sich nicht lange Aber: wir haben 12 von den Dingern und unsere Turnmaschine,
mit der man den Kolben in die gewünschte Position bewegen kann ist sehr langsam.
Ach so da drin ist es verdammt warm und dreckig, so dass man nach zwei Zylindern
eine Pause braucht. Nach der Inspizierung der Kolben ging es in den Trieb.
Sprich dort wo die auf und ab Bewegung des Kolbens in die Drehbewegung der Welle
umgewandelt wird. Das ganze Sitzt über einer Schmierölwanne. Man steigt also in
einen Raum, der Aufgrund des Schmieröls rutschig ist, und tastet den Boden
(voller Schmieröl) mit den Händen ab, um zu schauen ob sich Metallspäne darin
befinden. Die ganze Aktion hat bis 7:00 Morgens gedauert. Nach Feierabendbier,
Frühstück und Pool wollte ich schön bis zum Auslaufen 14:00 schlafen.
12:00 werde ich von einem Kollegen geweckt. Ich sollte zur Brücke gehen. Ich bin
für das steuern eingeteilt und es soll 13:00 losgehen (klarmachen der Brücke
beginnt eine Stunde früher)
Ich also hoch, noch niemand da. Ich frage noch mal nach: 14:00 losmachen.
Ich also 13:00 wieder hoch, nach 40 Minuten warten kam der Kapitän.
Der Lotse kam auch wenig später.
Jetzt um 16:00 sitze ich und werde gleich noch mal schlafen gehen.
In diesem Sinne Gute Nacht
Franz







