Jerade erst hab ick davon jesprochen, dass AIDS eines der brisantesten Themen meiner Jugend war.
In meiner Kindheit wiederum war DAS TOPTHEMA schlechthin der Terrorismus. Noch heute seh ick die Poster vor mir, die in meiner Grundschule aushingen mit Bildern von RAF-Terroristen, die noch jesucht wurden.

Det hat mich schwer beeindruckt. Auf mich als kleenen Piepel haben die auf mich den Eindruck wie so Desperados jemacht. Ick glob det war mir nicht wirklich klar, dass et sich bei den Personen, auf den Plakaten um richtije echte Menschen handelte.
Wat mich immer völlig verwirrt hat, war, dass die nicht einzeln auf einem Plakat jesucht wurden, wie et sich meiner Ansicht nach für ein anständiges Fahndungsplakat jeziehmt hätte.
Det waren immer janz viele neben und untereinander, wie in so eenem aufjedeckten Memoryspiel, nur dass et keene doppelten Bilder jab.
Det war janz schön aufrejend. Ick meene – wenn die det in eener Grundschule aufhängen, müssen die Fahnder ja der Meinung jewesen sein, dass die sich vielleicht unter uns Schülern verstecken tun würden. Irre! Det waren Zeiten, sag ick Euch.
Ick wage et jetzt einfach mal, mich janz weit aus dem Fenster zu lehnen und die Grußbotschaft von Christian Klar auf dem Gefängnis heraus an die Teilnehmer einer Konferenz zu kommentieren, sowie och die Reaktionen darauf.
Hier erst mal die Grußbotschaft im Wortlaut:
„Liebe Freunde, das Thema der diesjährigen Rosa-Luxemburg-Konferenz "Das geht anders" bedeutet - so verstehe ich es - vor allem die Würdigung der Inspiration, die seit einiger Zeit von verschiedenen Ländern Lateinamerikas ausgeht. Dort wird nach zwei Jahrzehnten sozial vernichtender Rezepte der internationalen Besitzerklasse endlich den Rechten der Massen wieder Geltung gegeben und darüber hinaus an einer Perspektive gearbeitet.
Aber wie sieht das in Europa aus? Von hier aus rollt weiter dieses imperiale Bündnis, das sich ermächtigt, jedes Land der Erde, das sich seiner Zurichtung für die aktuelle Neuverteilung der Profite widersetzt, aus dem Himmel herab zu züchtigen und seine ganze gesellschaftliche Daseinsform in einen Trümmerhaufen zu verwandeln. Die propagandistische Vorarbeit leisten dabei Regierungen und große professionelle PR-Agenturen, die Ideologien verbreiten, mit denen alles verherrlicht wird, was den Menschen darauf reduziert, benutzt zu werden.
Trotzdem gilt hier ebenso: "Das geht anders". Wo sollte sonst die Kraft zu kämpfen herkommen? Die spezielle Sache dürfte sein, dass die in Europa ökonomisch gerade abstürzenden großen Gesellschaftsbereiche den chauvinistischen "Rettern" entrissen werden. Sonst wird es nicht möglich sein, die Niederlage der Pläne des Kapitals zu vollenden und die Tür für eine andere Zukunft aufzumachen.
Es muss immer wieder betont werden: Schließlich ist die Welt geschichtlich reif dafür, dass die zukünftigen Neugeborenen in ein Leben treten können, das die volle Förderung aller ihrer menschlichen Potentiale bereithalten kann und die Gespenster der Entfremdung von des Menschen gesellschaftlicher Bestimmung vertrieben sind.“
So…. det ist jetzt natürlich ein janz schönet Jeschwafel und janz schön starker Toback, wat der Christian Klar, janz entgegen der Bedeutung seines Nachnamens da von sich jiebt und besonders schlau erscheint mir det och nicht, anjesichts seiner Bemühungen, nach 25 Jahren Jefängnis begnadigt zu werden.
So weit so schlecht.
Aber was ich in dem Text so jar nicht erkenne kann: Er ruft doch nicht zu erneuter Gewalt auf oder ähnliches. Der versucht doch nur sein verkrachtet Leben irjendwie gradlinig wirken zu lassen. Nicht mehr und nicht weniger. Und det is ihm jelungen. Det Kapital ist immer noch das Böse schlechthin (hat
Marx übrigens etwas differenzierter jesehen, aber ejal, ick will hier nicht mit meinem Hausmeisterhalbwissen argumentieren) und er ist immer noch der Meinung, dass et bekämpft werden muss.
Det Einzige, was ich ihm vorwerfe, ist, dass er nicht entweder ausdrücklich jesagt, hat, wie wir denn
„die Niederlage der Pläne des Kapitals vollenden und die Tür für eine andere Zukunft aufmachen“ sollen/können.
Oder zumind. ausdrücklich sagt, dass det nur ohne die Anwendung von Jewalt verwirklicht werden darf/kann/soll.
Aber hey! Wir leben in einer Demokratie! Det hat och die RAF, bzw. die Abwehrreaktionen auf deren Terror nicht verhindern können. Man darf bei uns eene Meinung haben und vertreten und diese öffentlich kundtun, solange man sich dabei im rechtlichen Rahmen bewegt.
Ey…. Man darf bei uns sogar sagen „Soldaten sind Mörder“, jenauso wie ick sajen darf:
RAFler sind Mörder.
Det ist Demokratie! Langweilig wird die nie!
Der Christian Klar hat ein Recht auf sein „Pamphlet“. Und wenn jetzt Leute von der CSU, FDP oder sonst wer, sich künstlich aufrejen tun und eenen alten Westberliner/bzw. Bonner Kampf wieder auffrischen wollen, wo schon längst Jeschichte ist, dann ist det peinlich und fühlt sich wie ein Ablenkungsmanöver an. Haben die da nicht jerade een Stoiber-Nachfolgeproblem bei der CSU? Wie sind gerade die Umfragewerte in Bayern? Kommt denen ein verzweifelter Noch-Häftling, der ihnen sowieso nichts kann, da wie jerufen? Nachtigal…ick hör Dir trapsen.
Aber vielleicht sollte dennoch dem Christian Klar wer stecken, dass er nicht nur äusserlich in der politischen Sphäre irjendwie so wirkt, wie Michael Jackson in der Musikbranche.
Wie ein Freak!
Na denn.....It´s Freak-Show-Time!
H I E R ein “Spiegel”-Artikel zum Thema, wo noch mehr Freaks zu Worte kommen.