Donnerstag, 15. November 2007

positive - blogging Yeah! ... Eiermann!

(in leicht abgewandelter Form ist dieser Beitrag bereits auf den Blogpiloten erschienen)

Nörgelblogger

Wer sich durch die deutsche Bloggosphäre klickt, trifft immer wieder auf den Typus des Nörgelbloggers oder auf Nörgel-Beiträge solcher Blogger, die auf dem besten Weg zum Nörgelblogger sind.t

Nörgeln kann seinen Sinn und Spaß haben, wie uns das BILD-Blog beinahe täglich unter Beweis stellt.

Die virale Kraft des Ja-Sagens

Warum aber nicht auch einmal von der Kraft des Ja-Sagens sprechen, ohne damit einem Kuschelblogging das Zeug reden zu wollen.

Die Idee hierzu kam mir auf dem barcamp in Berlin, als mich Sven Dietrich vom pop64-Blog ansprach, ob ich nicht mit ihm zusammen einen Spontanvortrag auf dem barcamp halten wolle.

Sven verteilt in seinem Blog Punkte an Hamburg und Berlin für Dinge, die diese Städte auszeichnen. Die Grundhaltung in seinem Blog ist damit ausgesprochen positiv.

Ich behaupte, dass diese positive Grundhaltung der treibende Faktor im pop64-Blog ist.

Trolle und Flamings, wie sie sich beispielsweise auf dem Blog von Top-Nörgel-Blogger Don Alphonso zuhauf finden, sucht man auf pop64 vergeblich.

Im Gegenteil: In den Kommentaren von pop64 entspinnen sich zum Teil hoch amüsante Gespräche zwischen den Usern, die sich zum überwiegenden Teil die positive Grundhaltung des Blogs, in dem sie kommentieren zu eigen gemacht haben.

Diese positive Atmosphäre auf pop64 - behaupte ich - ist der Grund für die Treue seiner Leser und damit für den Erfolg dieses Weblogs und seine gute Einbindung in die Bloggosphäre.

Eine negative Grundhaltung polarisiert. Dies ist zwar kontroversen Diskussionen dienlich. Oft führen aber solche polarisierten Diskussionen nicht zu einem alle Seiten befriedigenden Ergebnis, sondern dienen einzig der Selbstdarstellung der Akteure. Eine konstruktive Diskussion kann meines Erachtens nur mit einer positiven oder zumindest respektvollen Grundeinstellung dem Kontrahenten gegenüber geführt werden und auch nur eine solche positive Grundhaltung birgt in sich die Kraft, eine Sache wirklich voranzutreiben.

Wie aber kann der "gemeine" Blogger oder die „gemeine" Bloggerin, sich eine solche positive Grundhaltung aneignen?

Improvisationstheater als Vorbild

Es geht mir nicht um "positive thinking" im amerikanischen Sinne. Nicht um eine „wir-haben-uns-alle-lieb"-Empfehlung. Im Improvisationstheater können durchaus die Fetzen fliegen. Nur geht es dabei um die Entwicklung einer Story und nicht um das Zerstören des Gegenübers.

Jeder Improvisator ist darum bemüht, seinem Gegenüber Impulse zu liefern, um eine Geschichte voranzutreiben, die genauso mit dem (Theater-)Tod des Gegenübers, wie auch mit einer wilden Sex-Scene enden kann.

Und das ist es, was ich gerne mehr in Blogs zu lesen bekommen würde.

Sex & Blog´s & Rock'n Roll – Her damit!

Nörgelblogger blockieren und sie haben damit meines Erachtens etwas grundsätzliches missverstanden.

Bloggen kommt nicht von bloggckieren!

Keith Johnston
(Improvisationstheoretiker) schreibt:

„Gutes Theater ist wie Tennis, insofern die Zuschauer immer sehen wollen,

wie ein Aufschlag angenommen wird, während im schlechten Theater ein

Aufschlag niemals angenommen wird"


Das Wort „Theater" lässt sich hier durch „Bloggen" ersetzen.

Das Annehmen von Impulsen - im Improvisationstheater eine Grundregel - sollte auch beim Bloggen höchste Priorität haben.

Es ist so einfach, Nein zu sagen, um sich vor den Konsequenzen eines beherzten Ja´s und damit evtl. eines Sprungs ins kalte Wasser zu schützen. Der scheinbare Mut von Krawallbloggern kehrt sich aus diesem Blickwinkel um in die Angst vor den Konsequenzen, eines sich Einlassens auf die Impulse anderer Menschen. Impulse, die man unter Umständen ja nicht mehr unter Kontrolle halten könnte oder die mit einem Dinge machen könnten, die einen nicht mehr in den gewohnten Bahnen funktionieren lassen. Eine für Krawallblogger hochgradig unangenehm Vorstellung.

Das Motto ängstlicher Improvisations-Spieler lautet: ‚Im Zweifelsfall, sag NEIN!'

Mit diesem Motto versuchen wir im Leben, ein Geschehen aufzuhalten.

Ins Theater gehen wir, um zu sehen, wie an jedem Punkt, an dem wir

Nein' sagen würden, der Schauspieler nachgibt und ‚Ja' sagt.

Daraus entwickelt sich auf der Bühne das Geschehen,

das wir im Leben nicht zulassen würden."
(Keith Johnston)




Sicher. Das gilt natürlich nicht für jedes Blog.

Aber ich wäre froh, wenn ich mehr Blogs lesen dürfte, die sich die Gedanken Keith Johnstons zu Herzen nehmen würden.

Ich glaube daran, dass eine solche positive Grundhaltung sich selbst, seinen Lesern und anderen Bloggern gegenüber, einen viralen Effekt auf die gesamte Bloggosphäre haben würde, der unsere Inhalte auch breiteren Leserschichten öffnen würde.

Good News everyone wie Professor Hubert Farnsworth aus Futurama zu sagen pflegt.

Nicht immer nur meckern, sondern auch mal aufrichtig Freude bekunden über die Beiträge der Blogkollegen.

Gedanken anderer Blogger weiterspinnen. Sie vorantreiben. Ein munteres hin und her. Die virale Kraft der Bloggosphäre nutzen. Die Tradition des Stöckchens ist dabei ein guter Ansatz.

Lasst uns Blogtennis spielen und stilvoll dabei sterben oder heißen Sex miteinander haben.

Sex & Blogs & Rock'n Roll halt. Nicht mehr, aber bitte auch nicht weniger.

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