Sonntag, 3. Dezember 2006

Franz in der arabischen Welt

Vornewech een Linkhinweis zur Situtation der Frauen in Marokko. (Neue Zürcher Zeitung)
29. November 06 im roten Meer

Abend,

Wir haben gerade wieder einen kleinen Häfen-Marathon hinter uns gebracht.
Von Tanjong Pelapas sind wir in die arabische Welt gefahren. Diese ist
Landschaftlich vor allem von Wüste geprägt, die hier aus Stein, Geröll, Sand und
Felsbergen besteht.
Die Städte die wir gesehen haben, wirkten alle sehr arm und vor allem dreckig
(was auch durch die karge Landschaft verstärkt wird).
Viele Häuser haben eher wie Ruinen als wie Wohnstätten ausgesehen. Natürlich
sieht man hier hauptsächlich Männer und wenn überhaupt nur verschleierte Frauen.
Also, von Asien sind wir nach Aden im Jemen gefahren. Aden ist relativ
unspektakulär. Wir waren wegen des kurzen Aufenthalts auch nicht an Land. Die
Stadt hat man nur aus der ferne gesehen. Was aber beeindruckend war, sind die
Felsberge, die das Meer einrahmen.
Von Aden sind wir nach Jeddah, was ein wirklicher Dreckshafen ist, gefahren.
Saudi Arabien nimmt es ja bekanntlich mit dem muslimischen Glauben etwas
ernster. Deshalb gilt auch für Seeleute: kein Alkohol und keine Frauen. Da ich
ja an Bord nicht trinke hat mich letzteres umso härter getroffen, da die Saudis
den Begriff Pornografie weiter fassen als wir Deutsche. Letzten Endes habe ich
sogar die Fotos meiner lieben Mutter und Schwester im Zollstore versiegeln
müssen. Aber ich habe es überstanden. Von Jeddah ging es schnell weiter nach
Aqbaba in Jordanien.
Wir waren fast wieder nach Zeitplan gegen 14.00 Uhr beim Lotsen. Schlussendlich
eingelaufen sind wir aber erst 17.00 Uhr. Was die Verzögerung verursacht hat, war für
uns nicht einzusehen. Das Festmachen war auch etwas abenteuerlich, da die Pier
mit unser Achterkante abgeschlossen hat.
Nach dem Abendessen, stand ein Ausflug in die Wüste an. Leider war es schon dunkel,
so dass man nicht allzu viel gesehen hat und auch keine Fotos machen konnte.
Nichts desto trotz war die Landschaft atemberaubend. Wir sind in ein kleines
Camp gefahren, von dem wir mit Jeeps in die Wüste rein gefahren sind. Mit Wüste
ist keine Sand Wüste gemeint, sondern eher Felsformationen, die von Geröll und
Sandfeldern umschlossen sind. Wir sind dann auch mal einen Felsen auf eine Düne
hoch gelaufen, was extrem anstrengend war. Der Sand ist sehr weich und die Düne
war Steil und Hoch. Aufgrund der Dunkelheit blieb einem die Aussicht erspart,
schön war es dennoch. Zurück im Camp gab es noch arabisches Essen, was
gewöhnungsbedürftig aber lecker ist.
Ich habe mir ja vorgenommen, an Bord kein Alkohol zu trinken. Da wir ja nicht
auf dem Schiff waren, habe ich mich auf das erste Bier seit Wochen gefreut. Aber
10 Dollar waren mir für eine Dose Bier wirklich zu viel und so blieb ich bei
exzellenten arabischen Kaffee und Tee.
Eigentlich sollte es noch weiter ans tote Meer gehen. Wir wären dann gegen 6:00
Uhr erst wieder an Bord gewesen. Da uns das zu knapp war (eigentlich sollten wir
6:00 auslaufen) sind wir gleich zurück zum Schiff. Wirklich ausgelaufen sind wir
16:00 Uhr. Ärgerlich. Das hat natürlich auch unseren Fahrplan wieder
durcheinander gebracht. Aber das soll nicht meine Sorge sein.
Am nächsten Tag (heute) sind wir in Sokhna angekommen. Der Hafen liegt am Ende
des roten Meeres, nahe des Suez-Kanals und wurde erst vor wenigen Jahren aus dem
Boden gestampft. Vom Schiff sah die Stadt eher uninteressant aus. Viele
Wohnhäuser und etwas Petrochemie. Glücklicherweise fährt man von hier nur eine
Stunde nach Cairo. Also sind wir in einen Bus (der eine Stunde Verspätung hatte)
eingestiegen und Richtung Cairo gefahren. Die Sicherheitskontrolle am Terminal
geschah in einer Strenge, die man eher vom Fliegen kennt.
Nach der Kontrolle sind wir 15 Minuten durch die Wüste gefahren, bis wir zu
einer Mauer mit Tor gekommen sind. Wie sich heraus stellte war es die
Hafengrenze. Über eine Maut pflichtige Schnellstraße ging es dann rasch in die
Stadt. Cairo präsentierte sich vom aussehen her wie eine Nachkriegsstadt. Die
Häuser sind fast alle nur halbfertig gebaut, beziehungsweise schon wieder halb
auseinander gefallen. Man hat auch einige Wellblechhäuser gesehen. An einer Nil-
Brücke haben wir angehalten, durch die Dunsthaube der Stadt und zwischen zwei
Häusern hat man einen riesigen dreieckigen Schatten gesehen. Zu diesem sind wir
auch gefahren, nachdem sich unser Bus zwischen Eseln, Pferden, Ziegen und
anderen Verkehrsteilnehmern geschlängelt hat. Vor den Pyramiden haben wir dann
das Fahrzeug gewechselt. Auf Wüstenschiffen (beziehungsweise für die, die
mochten Pferde) sind wir zu den Pyramiden gesegelt. Es waren wenige andere
Touristen da. Die Jahrtausende alten Pyramiden, mit dem modernen Cairo im
Hintergrund ist ein irrer Anblick. Die Muazins, die pünktlich zum Gebet gerufen
haben und die wir von außerhalb nur als ein gewaltiges die ganze Stadt
umfassendes Gemurmel gehört haben, waren eindrucksvoll.
Nun sollte es in ein Restaurant mit Bauchtänzern gehen. Leider hat uns auch hier
der Fahrplan wieder einen strich durch die Rechnung gemacht. Hungrig sind wir
also mit diesen tollen Bildern im Kopf zurück gefahren.
Der Koch, der uns ja ausgeplant hatte, konnte leider nur ein karges, kaltes Mahl
zusammenstellen, bevor ich auf der Brücke aus dem Hafen gesteuert habe.
Was mich noch erstaunt hat, waren die niedrigen Temperaturen. Nachts in Aqaba
habe ich mit Pullover und Jacke gefroren. In Ägypten war es auch Tags über nicht
sonderlich warm. Ich mache mir ernsthafte Gedanken, wie ich die winterlichen
Temperaturen in Deutschland überstehen soll.
Jetzt jedenfalls geht es zurück ins zu warme Singapur, von wo sich dann die
Route wiederholt.

Die Wochen auf dem Schiff vergehen im Bord Alltag recht schnell. Früh aufstehen,
lange arbeiten und bis zum Schlafen noch etwas Sport treiben, Film schauen,
Computer spielen und natürlich auch ganz viel lesen.
Ich hatte letzte Woche Maschinenwache, was sehr interessant war. Ich konnte zum
Ende der Woche dann auch viele Aufgaben ohne den Duty Oiler erledigen. Wie zum
Beispiel die Antriebswelleschmieren, Wassertanksauffüllen, Tankstände peilen,
Turbolader wachen und und und. Diese Woche bin ich damit beschäftig, eine
Klimaanlage für unsere Werkstatt zu installieren. Was eigentlich ganz cool ist,
weil ich mit meiner Gruppe viele Sachen bauen kann. So haben wir einen Tisch
und eine Wanne angefertigt. Gerade schaffen wir die Rohrleitungen für den
Abfluss. Leider haben wir wenige Freiheiten bei dem Projekt und unsere Ausbilder
reden uns rein, wo sie können, was nervig und anstrengend ist.
Ab nächster Woche bin ich dann in der Werksatt um Passungen zu feilen. Nach den
Wochen, in denen man im tatsächlichen Bordbetrieb gearbeitet hat, wird dass ein
ganz schöner Rückschritt. Aber Metallbearbeitung gehört halt zum
Ausbildungsprogramm.

Die nächsten Tage werden insofern anstrengend, als dass wir die Uhr jetzt
Nachts öfter eine Stunde nach vorne stellen müssen. Die sechs Stunden
Zeitunterschied, die uns auf der Reise ins rote Meer so schön lang Nächte
beschert haben, fordern jetzt ihren Tribut. Was Trost spendet ist der Gedanke,
dass wir die Tour mit Uhren zurück stellen noch einmal fahren.

Soweit die Neuigkeiten
Ich wünsche euch alles gute

Franz

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